Innovation erleben:
Unternehmen entdecken den Hanse Innovation Campus
Ein früher Nachmittag im Mai auf dem Hanse Innovation Campus in Lübeck. Vertreterinnen und Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) aus der Hansebelt-Region treffen sich zu einer besonderen Tour: Kein Messebetrieb, keine klassischen Fachvorträge – sondern direkte Einblicke in Forschung und Entwicklung des Innovations- und Forschungsverbundes HIC Lübeck sowie konkrete Anknüpfungspunkte für die Praxis.
Rund 20 Gäste sind gekommen, um Innovationen, Technologien und die Menschen dahinter kennenzulernen. Was sie erwartet, ist ein kompakter, praxisnaher Blick auf Themen wie Digitalisierung, Produktionstechnologien und angewandte Forschung – mit konkreten Bezügen zur unternehmerischen Realität.
Forschung verständlich und zugänglich machen
Die Tour steht unter dem Motto „Produktion von Morgen“ und beginnt mit einer kurzen Einführung durch Inger Struve, Innovations- und Transfermanagerin am Hanse Innovation Campus:
„Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten nicht isoliert – sie suchen den aktiven Austausch mit Unternehmen.“
Ihr Anliegen: Forschung erlebbar machen und zeigen, wie aus Know-how praxisrelevante Lösungen entstehen. Die Teilnehmenden sind eingeladen, Fragen zu stellen, sich auszutauschen und Anknüpfungspunkte für ihr eigenes Unternehmen zu entdecken.
Im KI-Labor: Anwendungen verstehen und ausprobieren
Erste Station ist das KI-Labor der Universität zu Lübeck. Hier arbeiten Forschende an konkreten Anwendungen künstlicher Intelligenz – etwa in der Bildverarbeitung, Prozessautomatisierung oder Wartungstechnik. Dr. Frauke Kerlin stellt das Labor vor und erläutert, wie Deep Learning funktioniert, was neuronale Netze leisten und wie Augmented Reality bei der Fernwartung technischer Systeme eingesetzt werden kann. Die Teilnehmenden dürfen vieles direkt ausprobieren. Es folgen erste Fragen aus der Praxis: „Wie aufwendig ist der Einstieg?“ – „Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?“. Die Diskussion ist offen, auf Augenhöhe – es entsteht ein Dialog zwischen Forschung und Wirtschaft.
Im FabLab: Von der Idee zum ersten Prototypen
Nur wenige Minuten entfernt befindet sich das FabLab Lübeck – eine offene Werkstatt für kreative Entwicklung und technische Umsetzung. Hier entstehen Prototypen, werden Materialien getestet und Konzepte in erste, greifbare Lösungen überführt.
Lasercutter, 3D-Drucker, Werkbänke und CAD-Software stehen bereit – ergänzt durch professionelle Unterstützung. „Man muss nicht mit einem fertigen Produkt kommen“, erklärt ein Mitarbeiter. „Oft reicht eine Idee oder eine Herausforderung.“
Die Teilnehmenden erhalten kurze Einführungen und haben die Möglichkeit, selbst tätig zu werden. Der Fokus liegt auf niedrigschwelliger Entwicklung und schnellem Ausprobieren – ideal für kleine und mittlere Unternehmen.
Im Mechatronik-Labor: Digitale Zwillinge für die Praxis
Letzte Station ist das Labor für Regelungstechnik und Mechatronik der Technischen Hochschule Lübeck. Hier arbeiten Professor Martin Hahn und sein Team an der Verbindung von physikalischen Komponenten mit digitalen Modellen.
Anhand eines Live-Demonstrators zeigt er, wie Bauteile in Echtzeit überwacht und simuliert werden können – mit direktem Nutzen für Produktionsprozesse: präzisere Tests, weniger Ausschuss, kürzere Entwicklungszyklen.
Ein Gast bringt es auf den Punkt: „Ich wusste gar nicht, dass solche praxisnahen Anwendungen hier vor Ort verfügbar sind.“
Ergebnisse, Gespräche, nächste Schritte
Zum Abschluss der Tour finden sich alle Teilnehmenden noch einmal zusammen. Bei Getränken und informellem Austausch werden die Eindrücke des Tages reflektiert – viele Gespräche führen bereits zu konkreten Ideen. „Ich habe nicht nur Technik gesehen, sondern Ansprechpartner*innen gefunden“, sagt eine Teilnehmerin. Ein anderer ergänzt: „Hier geht es nicht um Imagepflege, sondern um echte Zusammenarbeit.“
Für Inger Struve und Leonie Hilger, Transfermanagerinnen am Hanse Innovation Campus Lübeck, ist das Ziel erreicht: „Wir möchten zeigen, dass der HIC Lübeck ein offener Partner für Unternehmen in der Region ist – von der ersten Idee bis zur Umsetzung.“
Fazit: Ein Nachmittag mit Perspektive
Am Ende stehen keine Checklisten oder Hochglanzunterlagen – sondern der direkte Eindruck, wie Forschung, Entwicklung und Wirtschaft auf dem Hanse Innovation Campus zusammenwirken. „Wir haben zwar eine Anfahrt von 90 Minuten – aber wir werden definitiv wiederkommen“, so ein Teilnehmer. „Mit einer konkreten Frage und Ideen.“
Denn: Innovation entsteht dort, wo Austausch stattfindet. Und sie beginnt oft mit einem einfachen Schritt – dem Blick über den Tellerrand.
Weiterführende Informationen
KI-Lab der Universität zu Lübeck
Labor für Regelungstechnik und Mechatronik der Technischen Hochschule Lübeck
