Innovative Minds #01
Prof. Dr. Moreen Heine
Wie entstehen Innovationen zwischen Praxis und Forschung? In unserer Reihe „Innovative Minds“ stellen wir Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft vor, die mit ihrer Arbeit Innovationen für die Hansebelt-Region vorantreiben. Diesmal: Prof. Dr. Moreen Heine, Vizepräsidentin für Transfer und Nachhaltigkeit und Professorin für E-Government und Open Data Ecosystems an der Universität zu Lübeck.
Wie sieht Ihr Aufgabenbereich aus?
Ich habe an der Universität zu Lübeck zwei spannende Rollen inne: zum einen forsche zur digitalen Transformation im öffentlichen Sektor. Dabei habe ich sowohl die Menschen als auch die Organisationen im Blick. Öffentliche Verwaltungen stehen unter erheblichem Veränderungsdruck. Mein Ziel ist es, praktikable Lösungen zu entwickeln und in die Praxis zu bringen. Darüber hinaus bin ich im Präsidium der Universität zu Lübeck für die Themen Transfer und Nachhaltigkeit auf struktureller Ebene verantwortlich. Hier ist es mein Ziel, den Wissensaustausch zwischen Universität, Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken.
Wie trägt Ihre Arbeit dazu bei, Herausforderungen aus der Praxis zu lösen und Innovationen für die Hansebelt-Region zu gestalten?
Leistungsfähige Verwaltungen sind ein Gewinn für alle – sei es im persönlichen Kontakt, in Unternehmen oder im Ehrenamt. Wissenschaft kann hier im Austausch mit der Praxis wichtige Impulse geben. An der Universität zu Lübeck und auf dem HIC Lübeck insgesamt gibt es schon viele sehr gute Strukturen für die Zusammenarbeit mit der Praxis. Meine Aufgabe als Vizepräsidentin für Transfer ist es, diese Strukturen noch passgenauer auf die Bedürfnisse der verschiedenen Akteure in der Wissenschaft und Praxis auszurichten.
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An welcher Innovation arbeiten Sie aktuell?
Aktuell befassen wir uns am Institut für Multimediale und Interaktive Systeme intensiv mit der Frage, wie KI-Systeme in Verwaltungen zum Einsatz kommen können und gestaltet werden sollten. Dabei halten wir engen Kontakt zur Praxis: von der Sensibilisierung im Rahmen von Weiterbildungen bis zu Projekten, in denen wir KI-Systeme entwickeln und evaluieren. Im strukturellen konzentriere ich mich darauf, Zielgruppen anzusprechen, die bisher eher wenig Kontakt zur Universität zu Lübeck bzw. zur Praxis haben. Über diesen Weg können wir unsere Angebote attraktiver gestalten und grundsätzliche Herausforderungen angehen.
Worin genau sehen Sie den Mehrwert von Projekten, die Praxis und Forschung verbinden?
Praxisnahe Forschung sorgt dafür, dass neue Ideen nicht in Forschungseinrichtungen verharren, sondern möglichst bald anwendbar sind. Durch die enge Zusammenarbeit mit Partner*innen aus Verwaltung und Wirtschaft entstehen bessere Lösungen, weil wir die Anforderungen der verschiedenen Akteure direkt im Blick haben.
Welche Art von Kooperation oder Austausch mit der Wirtschaft suchen Sie gerade?
Wir suchen immer Partner*innen aus der Wirtschaft, die unsere Erkenntnisse in ihren Produkten und Dienstleistungen erproben möchten. Auf diese Weise kommen Lösungen möglichst schnell in de Verwaltungspraxis.
Was hilft Ihnen persönlich dabei, neue Ideen und Innovationen umzusetzen?
Für mich beginnt Innovation mit aufmerksamem Zuhören. Oft steckt in einer Beobachtung oder einer Erfahrung aus der Praxis der entscheidende Impuls. Aus den verschiedenen Eindrücken ergeben sich dann neue Ideen. Und auch das Bild einer „grünen Wiese“ öffnet für mich den Raum für Innovationen. Dahinter steht die Frage: Wie würde ich mein Fachgebiet, zum Beispiel Verwaltung, heute gestalten, wenn noch keine Strukturen und Systeme existieren würden? Diese Perspektive zeigt dann Wege für wirkliche Transformation auf.
Worin genau sehen Sie den Mehrwert in einer Zusammenarbeit aus Praxis und Forschung?
Wenn die Ergebnisse von Forschung direkt oder indirekt Wirkung entfalten, kann das sehr zufriedenstellend sein. Von der Inspiration für ein Forschungsthema über die Anhörung in Expertenkreisen bis zur Gründung eines Unternehmens durch Forschende – Transfer hat viele Facetten und findet je nach Fachgebiet in ganz unterschiedlichen Formen statt.
