Innovative Minds #03
Prof. Dr. Thomas Franke
Wie entstehen Innovationen zwischen Praxis und Forschung? In unserer Reihe „Innovative Minds“ stellen wir Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft vor, die mit ihrer Arbeit Innovationen für die Hansebelt-Region vorantreiben. Diesmal: Prof. Dr. Thomas Franke, Professor für Ingenieurpsychologie und Kognitive Ergonomie am Institut für Multimediale und Interaktive Systeme der Universität zu Lübeck.
Woran forschen Sie?
Das große Thema unserer Zeit: Mensch-Technik-Integration. Wie können wir ein synergetisches Zusammenwirken von Mensch und Technik erreichen - zum Beispiel im Kontext der aktuellen KI-Systeme? In meiner Gruppe arbeiten wir dafür an einem genauen Verständnis der menschlichen Ressourcenregulation in digitalisierten Umwelten. Wir entwickeln Modelle und Methoden, mit denen sich die Gestaltung von Technik so optimieren lässt, dass Systeme in der Anwendung erfolgreich sind. Das machen wir besonders in Kontexten wie Energie, Mobilität und Gesundheit.
Wie trägt Ihre Arbeit dazu bei, Herausforderungen aus der Praxis zu lösen und Innovationen für die Hansebelt-Region zu gestalten?
Damit Innovationen erfolgreich sind, müssen sie menschzentriert sein. Dafür braucht es ein genaues Verständnis der (potenziellen) Nutzenden. Am Ende ist es doch so: 50% der Wirtschaft sind Psychologie. Wir verfolgen daher aktuelle technische Entwicklungen und gesellschaftliche Herausforderungen und suchen die Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit im Kontext der Gestaltung des Zusammenspiels von Mensch und Technik. Dabei arbeiten wir immer wieder in sehr konkreten Anwendungskontexten mit Partner*innen aus der Praxis zusammen. Wir analysieren bestehende Systeme (z.B. mit Benchmarks zu Systemtransparenz und wahrgenommener Vertrauenswürdigkeit) und wir entwickeln auf dieser Basis Design-Guidelines und Prototypen. So sind wir zentraler Partner in allen Projekten, in denen technische Systeme entwickelt und in die Anwendung gebracht werden sollen.
Externer Inhalt
An welcher Innovation arbeiten Sie aktuell?
In unserem EcoSimLab erforschen wir beispielsweise neuartige Mensch-Maschine-Interfaces für Energieeffizienz in Elektroautos. Viele Erkenntnisse daraus lassen sich auch auf andere Fragestellungen der Energie- und Ressourcenoptimierungen übertragen. Mit theoriebasierten Designansätze können wir Systeme wirkungsvoll verbessern.
Darüber hinaus arbeiten wir an vielen Methodeninnovationen, die die Qualität zukünftiger KI-Systeme zielgerichteter bewertbar machen. So können Systeme von Anfang an optimal für den Menschen entwickelt werden.
Denn es zeigt sich in der Praxis oft immer noch: Es gibt viel Technikforschung und technikzentrierte Entwicklung. Eine wirklich wirkungsvolle Integration der Psychologie des Menschen findet zu wenig statt.
Worin genau sehen Sie den Mehrwert von Projekten, die Praxis und Forschung verbinden?
Am Ende ist es eine win-win-Situation. Für uns in der Forschung bringen reale Problemstellungen den Erkenntnisprozess zu Mustern in der Mensch-Technik-Interaktion entscheidend voran. Der Wirtschaft wiederum helfen unsere empirischen Erkenntnisse und daraus abgeleiteten Guidelines und Modelle sowie die im Prozess entwickelten neuen Methoden bessere Produkte zu entwickeln.
Welche Art von Kooperation oder Austausch mit der Wirtschaft suchen Sie gerade?
Für uns immer wieder besonders spannend sind alle Akteure, die selbst neue Systeme einführen oder sogar entwickeln wollen. Gerade im Kontext der Transformation der Arbeitswelt durch KI-Tools oder auch in den breiteren Zielsystemen der nachhaltigen Entwicklung ergänzen wir immer wieder gern stärker technisch ausgerichtete Teams mit unserer Expertise im Bereich Ingenieurpsychologie.
Was hilft Ihnen persönlich dabei, neue Ideen und Innovationen umzusetzen?
Am Ende ist es doch so: Innovation ist 1% Inspiration und 99% Transpiration. Und oft entstehen die wirklich innovativen Lösungen in diversen Teams. Ich freue mich daher immer wieder, dass ich bei mir in der Arbeitsgruppe mit einem Team mit ganz unterschiedlich fachlichen Hintergründen und Ausrichtungen zusammenarbeiten darf. Besonders schätze ich dabei unsere kompakten Brainwriting-Sessions - also wenn anders als beim Brainstorming alle parallel in einem Online-Dokument ihre Ideen sammeln und sich dabei gegenseitig inspirieren.
