Innovative Minds #04
Prof. Dr.-Ing. Horst Hellbrück
Wie entstehen Innovationen zwischen Praxis und Forschung? In unserer Reihe „Innovative Minds“ stellen wir Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft vor, die mit ihrer Arbeit Innovationen für die Hansebelt-Region vorantreiben. Diesmal: Prof. Dr.-Ing. Horst Hellbrück, Professor für Kommunikationssysteme und Verteilte System und Leiter des Kompetenzzentrums CoSA der Technischen Hochschule Lübeck.
Woran forschen Sie?
Ich forsche an Kommunikationssystemen und verteilten Systemen, also mit der Frage, wie Geräte mit anderen Geräten und Menschen zuverlässig miteinander verbunden werden können. Mein Schwerpunkt liegt auf drahtlosen Netzen, Sensorik und drahtlosen Systemen 5G/6G, LoRa, Bluetooth, die wir in Lübeck realen Umgebungen– zum Beispiel in der Medizintechnik, bei der Wasserversorgung oder im maritimen Bereich aufbauen und erproben.
Wie trägt Ihre Arbeit dazu bei, Herausforderungen aus der Praxis zu lösen und Innovationen für die Hansebelt-Region zu gestalten?
Für mich ist entscheidend, dass Forschung sichtbar wird und Menschen konkret hilft. Wenn wir etwa robuste (drahtlose) Netze für die Wasserversorgung entwickeln, trägt das direkt zur Sicherheit der Region bei. Projekte wie patientennahe Diagnostik oder digitale Gesundheitsanwendungen können die medizinische Versorgung gerade in ländlichen Räumen verbessern. Und mit unseren Arbeiten zu drahtlosen und autonomen Systemen eröffnen wir Unternehmen hier vor Ort neue Möglichkeiten, Technologien frühzeitig zu erproben und für ihre Anwendungen nutzbar zu machen.
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An welcher Innovation arbeiten Sie aktuell?
Zurzeit stehen zwei Projekte besonders im Mittelpunkt meiner Arbeit: PRECISE und O5G-N-IoT.
Im Projekt PRECISE geht es darum, patientennahe Diagnostik mithilfe von Smartphones und Künstlicher Intelligenz (KI) zu ermöglichen. Ziel ist es, medizinische Tests – beispielsweise für Infektionskrankheiten – direkt vor Ort in ländlichen Regionen durchzuführen und Ergebnisse schnell digital verfügbar zu machen. Das eröffnet neue Wege, wie Gesundheitsversorgung auch außerhalb von Kliniken zugänglich und zuverlässig gestaltet werden kann.
Das zweite Projekt, O5G-N-IoT, beschäftigt sich mit offenen 5G-Netzen und dem Internet of Things. Hier entwickeln wir Technologien, mit denen Unternehmen eigene 5G-Infrastrukturen flexibel aufbauen und für ihre Anwendungen nutzen können – sei es in der Industrie, in der Logistik oder im maritimen Bereich. Besonders spannend ist für mich dabei, wie wir 5G mit IoT-Systemen verbinden und so neue Lösungen für vernetzte Geräte und autonome Systeme schaffen können.
Beide Projekte zeigen, wie eng wir an der Schnittstelle zwischen Forschung und Anwendung arbeiten: Wir entwickeln Technologien nicht nur theoretisch, sondern erproben sie direkt in realen Szenarien, damit sie später echten Nutzen für die Gesellschaft und die Wirtschaft entfalten.
Worin genau sehen Sie den Mehrwert von Projekten, die Praxis und Forschung verbinden?
Der größte Mehrwert liegt für mich darin, dass Forschung nicht im Labor stehenbleibt, sondern direkt an den Herausforderungen des Alltags wächst. Praxispartner bringen uns Probleme, die wir so in der Hochschule gar nicht gesehen hätten – und umgekehrt bringen wir Methoden und Technologien ein, die in der Praxis noch nicht genutzt werden. Dieser Austausch sorgt dafür, dass Innovationen nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern tatsächlich einen Unterschied machen.
Welche Art von Kooperation oder Austausch mit der Wirtschaft suchen Sie gerade?
Besonders spannend sind für mich derzeit Kooperationen rund um den Einsatz von KI in Verteilten Systemen und deren Einsatz in Industrie, Logistik oder im maritimen Bereich. Auch Partner*innen, die sich für sensor-gestützte Systeme interessieren, mit denen Prozesse robuster und effizienter gestaltet werden können, sind willkommen. Außerdem suchen wir immer wieder Austausch mit Akteuren aus dem Gesundheitswesen, um digitale Lösungen gemeinsam mit den Menschen zu entwickeln, die sie später einsetzen.
Was hilft Ihnen persönlich dabei, neue Ideen und Innovationen umzusetzen?
Mich inspirieren interdisziplinäre Teams – wenn Menschen aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammenkommen, entstehen ganz neue Perspektiven. Ich arbeite gerne agil: früh ausprobieren, Fehler machen dürfen und dann gemeinsam verbessern. Außerdem spielt für mich der direkte Austausch mit Studierenden eine große Rolle. Sie bringen oft frische, unkonventionelle Ideen ein, die wir im Team weiterentwickeln.
