Innovative Minds #09

Prof. Dr. Tim Jürgens

Wie entstehen Innovationen zwischen Praxis und Forschung? In unserer Reihe „Innovative Minds“ stellen wir Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft vor, die mit ihrer Arbeit Innovationen für die Hansebelt-Region vorantreiben. Diesmal: Prof. Dr. Tim Jürgens, Professor für auditorische Signalverarbeitung der  Technischen Hochschule Lübeck (THL).

Wie sieht Ihr Aufgabenbereich aus?

Lehre und Forschung! Ich lehre in den Studiengängen Hörakustik (BSc) und „Hörakustik und Audiologische Technik“ (MSc), sowie in Biomedical Engineering (MSc). Forschung betreibe ich in der Hörakustik, hier speziell mit Hörgeräten und Hörimplantaten, z.B. Cochlea-Implantaten.

Wie trägt Ihre Arbeit dazu bei, Herausforderungen aus der Praxis zu lösen und Innovationen für die Hansebelt-Region zu gestalten? 

Wir arbeiten im Team in der Hörakustik eng zusammen einerseits mit lokalen Institutionen wie z.B. dem Deutschen Hörgeräte Institut oder dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein im Rahmen des HörHanse e.V., andererseits auch mit anderen Partnern in der Hansebelt-Region wie Hörgeräte-Firmen aus Dänemark oder der Süddänischen Universität in Odense. Die Herausforderungen für die Praxis, die wir dabei adressieren, sind: (a) bessere und gezieltere Hörgeräteanpassungen, (b) alltagsnahe Hörsystemevaluationen, die den Entwicklern die nötigen Informationen für neue Innovation liefern und (c) die perzeptiven Herausforderungen zu quantifizieren, die mit der Verwendung von Hörimplantaten einhergehen, und Lösungen zu erarbeiten, wie diese Herausforderungen besser von den Menschen bewältigt werden können.

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An welcher Innovation arbeiten Sie aktuell?

Konkret arbeiten wir gerade daran „den Alltag ins Labor zu holen“. Das bedeutet, dass wir für Hörsystemträger relevante akustische Alltagsszenen (z.B. eine Cafeteria-Umgebung) in all ihrer Komplexität im Labor simulieren und in solch einer Szene Hörgeräte testen. Hörgerätefirmen sind sehr an solchen Tests interessiert, da sie dadurch Informationen erhalten um ihre Hörgeräte zu verbessern. Insgesamt profitieren also sehr viele von dieser Forschung: Wir als Hochschule setzen Standards, Firmen erhalten verlässliche Tools und Informationen und am Ende profitiert der/die Patient*in, wenn die neue Technologie im Alltag noch bessere Unterstützung liefert.

Was hilft Ihnen persönlich dabei, neue Ideen und Innovationen umzusetzen?

Innovation erwächst nicht aus einer Quelle, sondern aus der kontinuierlichen Auseinandersetzung vieler verschiedener Menschen und Sichtweisen auf eine Herausforderung. Dabei helfen Studierende, die Projekte umsetzen, Literatur, Konferenzen auf denen internationaler Austausch stattfindet, Probanden, die direktes und unverstelltes Feedback liefern, Diskussionen mit Kollegen, Firmenvertretern, Workshops, etc.

 

Worin genau sehen Sie den Mehrwert von Projekten, die Praxis und Forschung verbinden?

Für mich ist angewandte Forschung mit einem konkreten Ziel für die Verbesserung eines Systems die beste Art der Umsetzung technischen Fortschritts. Wissenschaft alleine läuft schnell Gefahr Lösungen „am Markt vorbei“ zu entwickeln. Wirtschaft alleine läuft häufig Gefahr einseitig und auf Gewinnmaximierung zu zielen. Beide Seiten können ihre Schwächen durch Austausch kontrollieren.

Bei meiner Forschung kommen zentral auch noch die Betroffenen hinzu, deren subjektive Einschätzung sehr wertvoll ist, und die sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich berücksichtigt werden sollte.

Welche Art von Kooperation oder Austausch mit der Wirtschaft suchen Sie gerade? 

Ich suche zur Zeit weitere Unternehmen in der Hörsystementwicklung, die Interesse an einer Kooperation zu alltagsnahen Evaluationen ihrer Produkte haben. Die Methoden, die wir zur Zeit entwickeln, eignen sich hierbei für die gesamte Palette von kopfgetragenen Hörsystemen, wie Hörgeräten, Hearables, Cochlea-Implantaten, und anderen Hörimplantaten.

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