ROBOTIK AUF DER DIGITALEN WEIDE: KI AUS LÜBECK FÜR EINE NACHHALTIGE LANDWIRTSCHAFT 

Das Bewusstsein für regionale, klimafreundliche und ökologische Lebensmittel wächst – Verbraucher*innen achten zunehmend auf Biodiversität, artgerechte Tierhaltung und nachhaltige Produktion. Für kleine und mittlere Betriebe, die als „der nahbare Bauernhof von nebenan“ wahrgenommen werden, ist das eine Chance, aber auch eine Herausforderung: Hoher Personalaufwand und die Konkurrenz großer Agrarkonzerne erschweren den Alltag. Gleichzeitig steckt gerade hier ein enormes Potenzial für Digitalisierung, Automatisierung und moderne Agrartechnik – wenn die Lösungen flexibel, kostengünstig und praxisnah sind.

„Robotik auf der digitalen Weide“: Flexibel, modular, praxisnah

Das Projekt „Robotik auf der digitalen Weide“ will gezielt kleine und mittlere Betriebe bei ihren täglichen Herausforderungen unterstützen. Gefördert mit knapp 500.000 € durch das EIP-Agrar-Programm Schleswig-Holstein (Europäische Innovationspartnerschaft Agrar) arbeitet die Universität zu Lübeck seit 2023 mit ihrem Institut für Robotik und Kognitive Systeme unter Prof. Dr. Floris Ernst, dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau sowie den landwirtschaftlichen Partnerbetrieben Hofgemeinschaft Gut Rothenhausen GbR, Grünhof Riecken und Biohof Ellerneff zusammen, um praxisnahe technologische Lösungen für die Landwirtschaft zu entwickeln.

Ziel ist die Entwicklung modularer, semi- bis vollautonomer Roboterplattformen, die speziell für kleine und mittlere ökologische Betriebe geeignet sind. Das Projekt baut auf dem Vorläuferprojekt KRIBL – Kleine Roboter für die Intelligente Biologische Landwirtschaft – auf.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten von Robotik in der Agrar- und Landwirtschaft

Die modularen Roboter lassen sich flexibel an verschiedene Aufgaben anpassen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Monitoring von Weideflächen und Tierbewegungen
  • Erkennung von Unkraut und Pflanzenbeständen
  • Beseitigung oder Regulierung von Unkräutern wie Ampfer (Rumex obtusifolius) und Jakobskreutzkraut (Senecio jacobaea)
  • Ertragsbestimmung im Grünland mit Plate-Metern
  • Hilfe bei Pflegearbeiten auf der Weide
  • Lösungen für robotische Weidezaunpflege
  • Unkraut und Wildwuchserkennung

Dank der Modularität können selbst Betriebe mit kleinerem Budget moderne Technik nutzen. Die entwickelten Hardware- und Softwarelösungen fließen direkt in die Prototypen ein, sodass wissenschaftliche Ergebnisse sofort praxisnah getestet und genutzt werden können.

Synergien zwischen Forschung, Wirtschaft und Landwirtschaft

Das Projekt sucht Unternehmen aus der Agrar- und Robotikbranche, die die Roboterproduktion übernehmen und Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte überführen. Die Zusammenarbeit bietet Vorteile für alle Beteiligten:

  • Betriebe erhalten Technologien, die Arbeit erleichtern und nachhaltiger gestalten
  • Forschungseinrichtungen gewinnen praxisnahe Daten für Weiterentwicklungen
  • Unternehmen können neue Produkte auf Basis modernster Robotik und KI entwickeln

„Wir sind immer daran interessiert unsere Robotiklösungen in die Praxis umzusetzen und suchen für weitere Kooperationen insbesondere Sondermaschinenbauer oder Agrartechnikunternehmen, die mit uns zusammenarbeiten möchten und können. Das Know-how sollte u.a. im Bereich Mechatronik liegen“ sagt Dr. Volker Saggau, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Robotik und Kognitive Systeme der Universität zu Lübeck.

Ausblick: Digitalisierung für die Landwirtschaft von morgen

„Robotik auf der digitalen Weide“ zeigt, wie Forschung, Technologie und Landwirtschaft Hand in Hand gehen können. Durch den Einsatz modularer Roboter, digitaler Zwillinge, KI und praxisnaher Forschung entstehen Lösungen, die kleine Betriebe entlasten, die Nachhaltigkeit erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit ökologischer Landwirtschaft stärken können. 

Volker Saggau, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Robotik und Kognitive Systeme der Universität zu Lübeck hebt hervor: „Schleswig-Holstein ist ein landwirtschaftlich geprägtes Bundesland auf einem landwirtschaftlichen Gunststandort. Es wäre gut, die Wertschöpfung im Bereich Agrarrobotik auch in Schleswig-Holstein zu generieren. Das Institut für Robotik und Kognitive Systeme der UzL bietet hierfür eine dauerhafte und solide Basis und kann in Zusammenarbeit mit innovationsbegeisterten Unternehmen Teil dieser Wertschöpfung sein.“

Kontakt & Pressekontakt
Prof. Dr. Floris Ernst
Professor für medizinische Robotik am Institut für Robotik und Kognitive Systeme der Universität zu Lübeck
Tel.: +49 451 31915200
Julia Hüschelrath
Kommunikationsmanagerin
Tel.: 0451 3101 1156
Viola Busch
Redakteurin für digitale Medien
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